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Das Licht ist hier viel heller von Mareike Fallwickl

TW: Psychische, körperliche und sexualisierte Gewalt,


"Erinnerst du dich, dass Worte scharf sein können wie Messer?" (S. 19)


Wenn jemand diese Frage mit Ja beantworten kann, dann ist es Mareike Fallwickl.

Selten schaffen es Autor*innen gesellschaftliche Themen ohne Zeigefinger und doch derart authentisch auf den Punkt zu bringen.


Maximilian Wenger, einst erfolgreicher Autor, ist ideenlos und perspektivlos, versinkt im Selbstmitleid und im Chaos. Bis er Briefe bekommt, die eigentlich nicht an ihn adressiert sind. Eine Frau berichtet über ihre Gefühlswelt und über die Gewalt, die ihr widerfährt. Wenger nutzt diese Worte und schreibt sein neues Buch, wird gefeiert und knüpft an seinen früheren Erfolg an.


Währenddessen sucht seine Tochter Zoey ihren eigenen Weg abseits der Glamour Welt ihrer Mutter und der Enttäuschung durch den Vater und lebt sich in der Fotografie aus. Bis auch ihr eines Tages Gewalt angetan und ihre Welt erschüttert wird. Auch sie findet die Briefe der fremden Frau und kommt dem Betrug des Vaters auf die Spur.


Die Charaktere, deren Beziehungen und Gedanken sowie der große Rahmen des Romans lassen einen mitfühlen und schlagen im eigenen Kopf Wellen, die lange nachhallen.

Es geht um Gewalt, um Beziehungen, um Macht und um Machtlosigkeit, es geht um Angst und um Missbrauch. Themen, die im Alltag vieler Frauen noch immer groß sind.


Maximilian Wenger als Verkörperung des alten weißen Mannes, der nicht nur egoistisch, überheblich, misogyn und eingebildet ist, sondern auch als Vater auf allen Ebenen zu versagen scheint, hat mir einige Nerven geraubt und die Wut aufkochen lassen, die ich aus vielen anderen Alltagssituationen so gut kenne. Eine Genugtuung, dass er scheitert und dann doch wieder die Enttäuschungen, dass er erfolgreich wird, mit Worten, die nicht ihm gehören.


Zoey, seine Tochter, gibt Einblick in den Alltag von jungen Frauen in unserer Gesellschaft und ist dabei für mich in ihren Träumen und Handlungen Sympathie- und Hoffnungsträgerin - wie eine gute Freundin, die man unterstützen möchte und hofft, dass sie all das verarbeiten kann und es trotzdem schaffen wird, ihre Träume umzusetzen.


Das Licht ist hier viel heller ist für mich ein Wohlfühlbuch - obwohl es eigentlich das genaue Gegenteil ist. Wut, Angst, Resignation und Hass sind nur einige der Gefühle, die Mareike Fallwickl mit ihren Worten an die Oberfläche holt. Und doch fühle ich mich in diesem Buch verstanden, sehe, dass jemand sieht und thematisiert, was viele nicht sehen wollen: Gewalt gegen Frauen ist real und es passiert. Und wir haben jeglichen Grund, deshalb wütend zu sein.

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