• Tanja

Weltbilder von Sira Busch

Sira Busch (wer in der feministischen Instagram-Bubble unterwegs ist kennt they wohl eher als @omnomnomknusper) hat ein Buch geschrieben und es trägt den wunderbaren Titel "Weltbilder. Wie Normen und Stereotype Gleichberechtigung verhindern".


Leider hatte ich im Februar und März eine kleine Leseflaute und bin mit dem Buch daher nicht so schnell vorangekommen wie geplant. Aber jetzt ist es geschafft und ich freue mich, dir diesen Rundumschlag gegen Sexismus, Rassismus, Ableismus, Klassismus, Trans- und Queerfeindlichkeit heute vorstellen zu dürfen.


Mancher Anfang ist schwer


Falls es dir gerade etwas schwerer fällt dich lesend auf Themen einzulassen, dich zu motivieren ein Buch in die Hand zu nehmen und es nicht nach ein paar Minuten wieder gegen das Smartphone auszutauschen: Lass dich vom Einstieg in dieses Buch nicht abschrecken! Warum ich das sage? Nach einer kurzen Einführung in die Themen, die dich beim lesen erwarten, folgt ab Seite 17 erst mal eine Menge empirisches Material in Form von soziologischen / psychologischen Studien über Stereotype, die mit verschiedenen Diskriminierungsebenen zu tun haben (z.B. zu sexistischen oder rassistischen Vorurteilen). Die Erkenntnisse dieser Studien sind höchst interessant und ich habe mir gewünscht ich könnte mir alle merken, um sie in nervigen Diskussionen als gutes Argument anführen zu können. Aber - ich gebe es zu - auch ich hatte durch die Menge an wissenschaftlichen Fakten, Zahlen und damit einhergehenden trockenen Formulierungen auf den ersten Seiten keinen leichten Start mit "Weltbilder".


Die gute Nachricht: Du kannst einige Studien überspringen und erst später auf sie zurückkommen und trotzdem die folgenden Kapitel problemlos verstehen.


Danach wurde für mich der Leserhythmus flüssiger, auch wenn es durchgehend argumentativ und sachlich bleibt. Dafür sind Siras Beispiele und Vergleiche aber so anschaulich und einleuchtend, dass man sich fragt wie absurd manche Situationen überhaupt sein können. Würden wir z.B. mit Zeug*innen eines Diebstahls genauso umgehen wie mit Betroffenen sexualisierter Gewalt? Wie können wir uns verschiedene Geschlechtsidentitäten ein bisschen besser vorstellen, wenn wir selbst cis sind? Für all diese Fragen gibt es tolle Beispiele, anhand derer wir unsere Normen und Stereotype hinterfragen können.


Stilistisch wird mit eher kurzen Kapiteln und vielen Strukturierungshilfen innerhalb des Textes gearbeitet, z.B. Listen mit mehreren kurzen Punkten und Aufzählungen. So werden umfangreiche Gedanken zu den einzelnen, sehr breitgefächerten Themen, auf relativ wenigen Seiten abgehandelt statt in einem das Buch durchziehenden Fließtext mit rotem Faden allzu sehr vertieft zu werden. Das bedeutet einerseits, dass man beim Lesen recht schnell vorankommt. Andererseits aber ist es durchaus zu empfehlen nach bestimmten Abschnitten eine Pause einzulegen (auch wenn man noch gar nicht so viel am Stück gelesen hat) und die angesprochenen Aspekte selbst einfach mal zu durchdenken, die Argumente nachzuempfinden, sich selbst zu hinterfragen wenn man eine andere Meinung hat (oder bisher hatte) oder sich vielleicht auch zu einem Thema noch gar nicht so viele Gedanken gemacht hat.



Perspektivwechsel


Und damit komme ich zum aus meiner Sicht größten Pluspunkt dieses Buches: Im Rahmen des Buchclubs, aber auch privat, habe ich schon viele Bücher zu Diskriminierungsthemen gelesen, allen voran Bücher zu Sexismus und Rassismus. In manchen davon wurden auch intersektionale Aspekte besprochen. Aber "Weltbilder" war für mich das erste Buch, das sich nicht einer bestimmten Diskriminierungsart annimmt und diese in verschiedenen Facetten zeigt, sondern die Stereotype in den Mittelpunkt stellt und diese zusammen mit ihrer Wirkung anhand verschiedener Diskriminierungsaspekte abhandelt. Dabei vergisst Sira nie ihre eigene Position einzuordnen. Wir erfahren, ob they bei Themen aus der Sicht von Betroffenen spricht (was z.B. bei Sexismus, sexualisierter Gewalt, Transfeindlichkeit und Ableismus der Fall ist) und wann ein Thema aus Außensicht skizziert wird. Zu dieser Selbstreflektion kommen übrigens diverse Triggerwarnungen zu Beginn von Kapiteln oder Abschnitten, was das Lesen des Buches trotz vieler verschiedener schwieriger Themen vereinfacht. Danke dafür, Sira!


Obwohl mir viele Aspekte aus dem Buch nicht neu waren und ich mich mit Siras Positionen sehr gut identifizieren kann, gibt es (wage ich jetzt zumindest mal zu behaupten) für jede Person Kapitel, in denen noch etwas Neues erfahren oder eine Sichtweise erweitert werden kann. Für mich persönlich waren das vor allem die Kapitel zu ableistischen Themen, über die ich mich definitiv weiter informieren werde, um meine eigenen Stereotype zu hinterfragen und sie im besten Fall mit einiger Übung überwinden zu können.


Wer das auch tun möchte, ist mit "Weltbilder" definitiv gut beraten.



*** Das Buch wurde unserer Autorin Tanja als kostenloses Rezensionsexemplar zur Verfügung gestellt. Ihre Meinung wurde davon aber nicht wissentlich beeinflusst.***








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