• Natalie

Spitzenreiterinnen von Jovana Reisinger

Triggerwarnung: Sowohl in diesem Blogpost als auch in dem vorgestellten Buch gibt es Passagen, die Themen wie Gewalt in der Partnerschaft, unerfüllten Kinderwunsch und Essstörungen behandeln.



14. Februar, 8. März, 15. April, 10. Mai, 21. Juni Laura, Lisa, Barbara, Verena, Jolie, Petra, Brigitte, Emma, Tina Jovana Reisinger gibt ihren Leser*innen an fünf verschiedenen Tagen einen Einblick in das Leben neun verschiedener Frauen.

Lisa erfährt, dass sie keine Kinder bekommen kann und wird daraufhin verlassen – zeitgleich versucht sie sich für ihre Freundin Laura zu freuen, die sich verlobt hat. Laura versucht mit ihrer Hochzeit zu glänzen und beneidet ihre Freundin Verena, denn Verena hat eine Luxusvilla geerbt. Das neue Zuhause von Verena ist das alte Zuhause von einem Hund, der Brigitte zugelaufen ist. Brigitte blüht mit dem Hund neu auf und denkt darüber nach, ob sie ihrer Freundin Emma von ihren Erlebnissen mit ihrem verstorbenen Mann erzählten kann. Emma versucht aus ihrer Tochter Jolie schlau zu werden, die schwanger ist, den Vater ihres Kindes jedoch nicht mit einbeziehen mag. Petra hat sich in Brigitte verliebt, die ihr in einer neuen Stadt einen Job und ein neues Leben bieten kann. Tina bewundert Lisa, die im Restaurant aus der Reihe fällt und fürchtet sich nach Hause zu gehen – denn dort wird sie von ihrem Mann misshandelt.

Auf 256 Seiten behandelt die Autorin Erwartungen, Ängste, Hoffnungen, Träume und Entscheidungen, die sich Frauen in unserer Gesellschaft stellen müssen. Der Druck, zu heiraten und eine Familie zu gründen, die Frage nach der Karriere, Beziehungen zwischen Müttern und Töchtern, die sexuelle Orientierung, der Umgang mit Verlust und Trauer, Essstörungen, die Erwartungen an das Benehmen von Frauen in der Öffentlichkeit, die große Liebe oder das Leben mit einem gewalttätigen Partner; kaum eine Thematik wird ausgelassen und trotzdem wird keiner mehr Bedeutung als einer anderen zugemessen. Denn – und das wird in diesem Roman mehr als deutlich – jede Frau und jedes Leben ist anders, nicht miteinander zu vergleichen und doch an manchen Stellen so ähnlich. Trotzdessen, dass man als Leser*in einen Einblick in das Leben aller Frauen bekommt, an manchen Stellen etwas tiefer als an anderen, bleibt es am Ende doch nur ein kurzer Augenblick, ein Ausschnitt, ein Blick ins Fenster der jeweiligen Protagonistin. Und trotzdem ist dieser Roman nahbar, jede Geschichte ganz nah an der Realität und könnte hinter jeder Fassade in der Nachbarschaft genau so vor sich gehen.

Passend dazu ist auch die Schreibweise, welche Reisinger genutzt hat: wenig poetisch, sondern eher nüchtern, beschreibend und unmissverständlich. Man bleibt Zuschauer*in, beobachtet still und kann nicht eingreifen, was am Ende wohl der Punkt war, der am Buch am meisten überzeugte. Ohne viel Aufregung lernt man neun verschiedene Frauen und deren Thematiken kennen und ohne dass man es merkt, befindet man sich mitten im Alltag einer jeder von uns. Ein Roman mitten aus dem Leben für jede Frau, egal wie alt, egal an welcher Stelle sie im Leben steht oder welche Probleme sie beschäftigten. Ein Roman über uns Frauen, für uns Frauen. Erschienen ist dieser Roman am 23.02.2021 im Verbrecher Verlag, welcher ein unabhängiger Verlag mit Sitz in Berlin ist und seinen Programmschwerpunkt in der Belletristik hat. Außer der Belletristik werden jedoch auch Sach- und Kunstbücher verlegt, Comics herausgebracht und eine Reihe von Anthologien veräußert.


Spitzenreiterinnen von Jovana Reisinger haben wir als Rezessionsexemplar vom Verlag erhalten, was unsere Meinung zu dem Buch jedoch nicht beeinflusst hat.

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